Verhaltensrichtlinien bei einem Verkehrsunfall

In Deutschland kommt es häufiger zu Verkehrsunfällen,  als es viele vermuten.  Im Jahr 2016 gab es insgesamt 2.587.327 Unfälle, wobei es sogar bei knapp über 300.000 Unfällen zu einem Personenschaden kam (Quelle: ADAC Motorwelt, 11 /2017). Der nachfolgende Text soll veranschaulichen, welches Verhalten nach dem Unfall angezeigt ist:

1) Sichern Sie die Unfallstelle. Hierfür sollten Sie in ca. 100 Metern zum Unfallort ein Warndreieck aufstellen und die Sicherheitsweste in ihrem Auto anlegen. Schauen Sie, ob es neutrale Zeugen in der Nähe des Unfallortes gibt, die Ihnen eventuell helfen können und  notieren Sie sich deren Namen und Kontaktinformationen. Im Anschluss können Sie mit dem Unfallgegner einen Unfallbogen ausfüllen und dessen Personalien aufnehmen.

2) In geeigneten Fällen sollten Sie die Polizei rufen. Geeignet sind insbesondere Unfälle, bei denen Personen verletzt wurden, oder größere Sachschäden entstanden sind. Bei kleineren Kratzern wird die Polizei nicht unbedingt benötigt.

3) Falls Ihr Fahrzeug nachdem Unfall nicht fahrtüchtig ist, können Sie das Fahrzeug abschleppen lassen. Bitte beachten Sie, dass die gegnerische Versicherung i.d.R.   nur die Abschleppkosten zur nächst gelegenen Werkstatt tragen wird.

4) Falls der Unfallgegner zu 100 % Schuld an dem Unfall ist, können Sie sich zwecks Schadensregulierung an dessen Versicherung wenden. In diesen Fall kann die Beauftragung eines Anwalts sehr nützlich sein, da dadurch die Schadensregulierung beschleunigt werden kann.  Die Versicherung des Unfallgegners übernimmt die Kosten hierfür vollständig.  Sollten Sie der Meinung sein, dass Sie den Unfall mit verursacht haben, sollten Sie den Unfall auch bei Ihrer eigenen Versicherung melden, da Sie hierzu verpflichtet sind.

5) Bei Schäden bis ca. 1000,00 € benötigen Sie kein Gutachten zur Schadensregulierung. In diesen Fällen reichen ein Kostenvoranschlag + Lichtbilder aus. Bei Schäden über 1.000,00 € sollten Sie einen Gutachter beauftragen. Auch hierfür übernimmt die Haftpflichtversicherung i.d.R. die Kosten.

6) Grundsätzlich steht es Ihnen frei, ob Sie das Fahrzeug reparieren lassen, oder sich den Schadensersatz bar auszahlen lassen (fiktive Abrechnung). Sie haben die Wahl. Im Falle eines wirtschaftlichen Totalschadens bekommen Sie nur den sog. Wiederbeschaffungsaufwand. Doch auch in diesen Fällen kann repariert werden, wenn die geschätzten Kosten bis 30 Prozent darüberliegen und wirklich vollständig repariert wird (vgl. BGH, VI ZR 258/06).

7) In der Zeit – in der Sie aufgrund des Unfalls kein Auto  haben – dürfen Sie sich einen Mietwagen nehmen (falls Sie täglich mindestens 20 km fahren). Bitte beachten Sie aber, dass Sie eine Schadensminderungspflicht haben. D.h. Sie sollten eine Fahrzeugklasse niedriger wählen, um Abzüge zu vermeiden. Falls Sie von einem Mietwagen Abstand nehmen sollten, steht Ihnen eine Nutzungsausfallentschädigung zu.

8) Neben dem Reparaturschaden haben Sie noch Anspruch auf die Erstattung Ihrer Kosten für den Anwalt, Abschleppwagen, Gutachter, Entsorgung bei einem Totalschaden Sowie Pauschalen für Telefon oder Porto.  Sollten Sie Verletzt worden sein, ggf. noch einen Anspruch auf Schmerzensgeld und Schadensersatz (zB. Haushaltsführungsschaden).